Psychologie

Wie beeinflusst Persönlichkeit High Performance Teams?

Geschrieben von
Cornelia Kirschke
|
30.4.2022
Portraitfoto von Shaline Kulcsar
Shaline Kulcsar hat den Zusammenhang zwischen Motivausprägungen und Leistung in agilen Teams untersucht

Persönlichkeitsausprägungen und Motivkonstellationen beeinflussen die Qualität der Zusammenarbeit in agilen Teams – oft stärker als einzelne Motive für sich. Das zeigt eine Masterarbeit von Shaline Kulcsar bei der MHP - A Porsche Company. Sie untersuchte mit der ID37 Persönlichkeitsanalyse den Zusammenhang zwischen Motivprofilen und Teameffektivität in 9 Scrum-Teams. Die zentrale Erkenntnis: High Performance Teams sind häufig homogen in ihren Lebensmotiven.

Auf einen Blick:

  • Persönlichkeit und Motivkombinationen beeinflussen Teameffektivität und Teamkonflikte in agilen Teams.
  • Positiver Zusammenhang mit Teameffektivität: Motiv PRINZIPIEN. Negativ: AUTONOMIE, EINFLUSS, ESSENSGENUSS.
  • High Performance Teams weisen häufig hohe Ausprägungen bei NEUGIER, STATUS, SOZIALKONTAKTE und eine niedrige bei AUTONOMIE auf.
  • ID37 eignet sich für Retrospektiven und zur Entwicklung einer Teamidentität durch reflexive Prozesse.
  • Homogenität bei Motiven fördert Leistung; in heterogenen Teams sind wertschätzende Konfliktkulturen entscheidend.

Welchen Einfluss hat Persönlichkeit auf die Leistung agiler Teams?

Die Persönlichkeitsausprägungen von Mitgliedern agiler Teams haben einen klaren Einfluss auf die Qualität ihrer Zusammenarbeit. Entscheidender als der Impact einzelner Motive ist jedoch die Wirkung von Motivkombinationen aller Teammitglieder. Das passt zum agilen Kontext: Selbstorganisiertes Arbeiten bedeutet mehr Handlungsspielraum – Teammitglieder müssen sich einbringen, um Teamleistung zu erzielen. Das erhöht die Entfaltung individueller Motive und Bedürfnisse.

Welche Lebensmotive wirken sich auf agile Teams aus?

Die Korrelationsanalyse zu den mit dem ID37 Persönlichkeitstest ermittelten Motiven zeigt:

  • einen positiven Zusammenhang zwischen Teameffektivität und dem Motiv PRINZIPIEN
  • einen negativen Zusammenhang zwischen Teameffektivität und den Motiven AUTONOMIE, EINFLUSS, ESSENSGENUSS
  • einen negativen Zusammenhang zwischen Teamkonflikten und dem Motiv BESITZEN

Agile Teams mit hoher Teameffektivität und niedrigem Konflikt-Score weisen laut Gruppenanalyse häufig hohe Ausprägungen bei NEUGIER, STATUS, SOZIALKONTAKTE und niedrige bei AUTONOMIE auf. Fachbegriffe zu den 16 Motiven erklärt das ID37 Glossar.

Die wichtigste Erkenntnis aus den Studienergebnissen ist für mich, dass High Performance Teams äußerst homogen in ihren Lebensmotiven sind.

– Shaline Kulcsar

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Untersuchung erfolgte quantitativ mittels Fragebogenstudie mit 9 Scrum-Teams (5–14 Mitglieder). Alle drei Konstrukte wurden mit psychologisch fundierten Instrumenten gemessen: Team Effectiveness Questionnaire für Teameffektivität, SoSci für Teamkonflikte sowie ID37 für die motivbasierte Persönlichkeit. Für motivationspsychologische Rückfragen stand Dr. Jan Dörendahl, wissenschaftlicher Berater von ID37, zur Seite.

Welche praktischen Anwendungen ergeben sich aus den Ergebnissen?

Die Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, den Fokus auf die „Ressource Mensch“ zu legen. Sich über eigene Motive und Bedürfnisse bewusst zu werden, ist ein Schlüssel für wirksame Begegnungen und Interaktionen. Der Einsatz von ID37 als Persönlichkeitsdiagnostik eignet sich daher gut für Retrospektiven, um eine Teamidentität durch reflexive Prozesse zu entwickeln. Erste Anhaltspunkte zur Güte der Zusammenarbeit lassen sich aus dem ID37 Teamprofil ableiten.

Mehr zur Nutzung von Persönlichkeitsdiagnostik in der Teamentwicklung: Persönlichkeitstests für die Teamentwicklung.

Diversität oder Homogenität – was zeigen die Ergebnisse?

Diversität ist wichtig – entscheidend ist aber, welche Dimension gemeint ist. Soziodemografisch, funktional oder persönlichkeitsbezogen? In Bezug auf Motivkonstellationen in agilen Teams hat sich gezeigt: Homogene Teams performen oft sehr gut. Damit auch heterogenere Teams gut arbeiten, braucht es Teamkulturen, in denen Meinungsdifferenzen und Konflikte wertschätzend und konstruktiv ausgetragen werden. Die ID37 Persönlichkeits- und Teamanalyse können hierbei wertvolle Unterstützung leisten.

Häufige Fragen zu Persönlichkeit und High Performance Teams

  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen Zusammenarbeit und Motivausprägungen?
    Ja. Die Studie zeigt einen klaren Zusammenhänge zwischen der Zusammenarbeit in agilen Teams und ihren Motivausprägungen nach dem ID37 auf. Besonders wirksam ist es, die Motivkombinationen aller Teammitglieder zu kennen, um ein klares Bild und eine Teamentwicklungsgrundlage zu haben.
  • Welche Motive fördern die Teameffektivität?
    Laut der MHP-Studie korrelieren hohe Ausprägungen bei PRINZIPIEN, NEUGIER, STATUS, SOZIALKONTAKTE und niedrige bei AUTONOMIE mit hoher Teameffektivität.
  • Sollten agile Teams homogen oder divers zusammengesetzt sein?
    Das Studienergebnis zeigt: homogene Teams performen oft sehr gut. Heterogene Teams können auch performen, hierfür sind wertschätzende Konfliktkulturen und die Fähigkeit zur Reflexion zentral.
  • Wie kann ID37 in der Teamentwicklung eingesetzt werden?
    ID37 eignet sich beispielsweise für Retrospektiven, zur Entwicklung von Teamidentität und zur Einschätzung der Zusammenarbeit. Das Teamprofil liefert Anhaltspunkte für gezielte Maßnahmen und die Auseinandersetzung mit sich und anderen ist die Basis für wertschätzende Teamkulturen.

Anmerkung: Die Masterarbeit von Shaline Kulcsar trägt den Titel „Motivationspsychologische Analyse von Scrum Teams – Die Potenziale des Persönlichkeitsmodells ID37“ und wurde im Bereich Wirtschaftspsychologie am Lehrstuhl von Prof. Dr. Georg Müller-Christ (Universität Bremen) geschrieben.

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FAQs

Fragen und Antworten

Was sind Lebensmotive und wie beeinflussen sie die Persönlichkeit?

Lebensmotive sind grundlegende innere Antreiber, die bestimmen, warum Menschen handeln, fühlen und denken, wie sie es tun. Die Psychologie unterscheidet 16 universelle Lebensmotive – darunter Neugier, Autonomie, soziale Anerkennung und Einfluss. Jeder Mensch besitzt alle 16 Motive, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Diese individuelle Kombination formt die Persönlichkeit wie ein einzigartiger Fingerabdruck. Im Gegensatz zu Persönlichkeitstypen (wie beispielsweise beim MBTI und DISG) zeigen Lebensmotive die tieferliegenden Bedürfnisse, die das Verhalten langfristig steuern. Sie sind wissenschaftlich messbar und helfen dabei, die eigene Motivation besser zu verstehen. Gängige psychologische Fachbegriffe rund um Persönlichkeit und Motivation sind im ID37 Glossar erklärt.


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Welche 16 Lebensmotive misst ID37?

ID37 analysiert 16 fundamentale Lebensmotive. Jedes Motiv beschreibt ein Grundbedürfnis, das Verhalten steuert.

Die 16 Lebensmotive im Überblick:

  • Neugier: Streben nach Wissen, Erkenntnis und intellektueller Herausforderung
  • Soziale Anerkennung: Streben nach Bestätigung und Anerkennung durch andere
  • Einfluss: Streben nach Kontrolle und Einfluss auf Personen und Vorgänge
  • Status: Streben nach Ansehen und einer hervorgehobenen Stellung in der Gesellschaft
  • Besitzen: Bestreben, Besitz und Vorräte anzulegen und zu erhalten
  • Autonomie: Streben nach Unabhängigkeit von den Erwartungen und dem Einfluss anderer
  • Sozialkontakte: Wunsch nach sozialen Interaktionen und Kontakt zu anderen Menschen
  • Prinzipien: Streben nach Konformität mit sozialen Normen einer gesellschaftlichen Gruppe oder der Gesellschaft
  • Soziales Engagement: Engagement für benachteiligte und notleidende Menschen und für eine gerechtere Gesellschaft
  • Struktur: Bestreben, sich die Umwelt in einfacher und widerspruchsfreier Weise zu strukturieren
  • Sicherheit: Wunsch nach einem ruhigen und sicheren Leben
  • Revanche: Streben nach Vergeltung von erlebtem Unrecht
  • Bewegung: Streben nach Bewegung und körperlicher Aktivität
  • Essensgenuss: Streben nach genussvollen Erfahrungen bei der Nahrungsaufnahme
  • Familie: Wunsch nach Fürsorge für die Familie
  • Sinnlichkeit: Streben nach sinnlichen, erotischen Erfahrungen und einem aktiven, erfüllten Sexualleben

Die individuelle Ausprägung – stark, durchschnittlich oder gering – erklärt, warum Menschen unterschiedlich handeln und reagieren.

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Ist ID37 wissenschaftlich fundiert?

Ja, ID37 basiert auf moderner Testentwicklung und erfüllt hohe psychometrische Standards. Die Methode wurde an der Universität Luxemburg entwickelt. Sie nutzt aktuelle Erkenntnisse der Motivationspsychologie und Persönlichkeitsforschung. Im Gegensatz zu veralteten Typologien wie MBTI oder DISG erklärt ID37 die Ursachen von Verhalten – nicht nur dessen Oberfläche. Die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität sind wissenschaftlich belegt.

Das wissenschaftliche Manual runterladen

Für wen ist die ID37 Persönlichkeitsanalyse geeignet?

ID37 eignet sich für alle, die sich selbst und andere besser verstehen wollen. Privatpersonen nutzen den Test für Selbstreflexion und persönliche Entwicklung. Teams analysieren ihre Zusammenarbeit und lösen Konflikte. Führungskräfte lernen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter individuell zu führen. Coaches und Berater:innen setzen ID37 im Rahmen ihrer professionellen Arbeit ein. Mithilfe des Tools können sie eine präzise Standortbestimmung ihrer Klient:innen durchführen und darauf aufbauend zielgerichtete Maßnahmen und Interventionen entwickeln. Unternehmen integrieren die Methode in die Personalentwicklung. Kurz: ID37 hilft überall, wo Menschen zusammenleben und zusammenarbeiten.

Mehr zum Einsatz von ID37 in der Arbeitswelt
Best Practice Case Selbstorganisation
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Was bringt die ID37 Teamanalyse?

Die ID37 Teamanalyse macht die Motivprofile aller Teammitglieder sichtbar und vergleichbar. Sie zeigt, wo die Potenziale im Team liegen und wo Spannungen entstehen können. Teams erkennen, wie bestimmte Teammitglieder ticken – und wie sie diese Unterschiede nutzen statt zu bekämpfen. Das fördert Verständnis, verbessert Kommunikation und steigert die Teamleistung. Die ID37 Teamanalyse ist besonders wertvoll bei Konflikten, wenn Teams neu zusammenfinden oder neue Mitglieder integriert werden. Der KI-Coach von ID37 unterstützt die Teamarbeit, da er auf der Basis der individuellen Motivprofile arbeitet und Teamdynamiken erkennen und prognostizieren kann.

Mehr zur ID37 Teamanalyse
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Wie unterstützt ID37 Führungskräfte?

Führungskräfte lernen mit ID37, sich selbst und ihre Mitarbeitenden besser zu verstehen. Sie lernen ihre eigene Persönlichkeit und Wirkung zu verstehen, sich selbst zu steuern und ihre Potenziale bestmöglich einzusetzen. Und sie erkennen, was die einzelnen Mitarbeitenden antreibt – und können differenziert führen. Statt Einheitslösungen setzen sie auf individuelle Ansprache. Das steigert Motivation und Leistung. Auch Konflikte lassen sich mit dem Wissen über unterschiedliche Motive besser lösen. ID37 macht aus guten Führungskräften bessere, weil sie Menschen wirklich verstehen. Der KI-Coach von ID37 arbeitet auf der Basis der individuellen Motivprofile und ist eine wertvolle Unterstützung für Führungskräfte, wenn es beispielsweise darum geht, Entwicklungspotenziale von Mitarbeitenden zu erkennen, die Ursache von Konflikten zu verstehen oder das eigene Motivprofil richtig einzuordnen.

Best Practice Case Führungskräfteentwicklung
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Wie setzen Unternehmen ID37 ein?

Unternehmen nutzen die ID37 Persönlichkeitsanalyse für Personalentwicklung, Teambuilding und Führungskräfteentwicklung. Die Analyse identifiziert individuelle Potenziale, unterstützt dabei, wirksame Entwicklungspläne zu erstellen und verbessert die Zusammenarbeit. Im Recruiting hilft ID37, Cultural Fit zu prüfen. Mitarbeiter verstehen sich selbst besser und sind zufriedener. Das senkt Fluktuation und steigert Produktivität. ID37 bietet maßgeschneiderte Programme und Ansätze für Organisationen jeder Größe. Der KI-Coach von ID37 bietet darüber hinaus vielfältige Möglichkeiten, um Coaching, Personalentwicklung sowie individuelles Soft Skill-Training zu skalieren.

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