Emotionale Intelligenz und Empathie werden oft verwechselt – dabei ist Empathie nur ein Baustein von emotionaler Intelligenz. Isabella Herzig, Pionierin auf dem Gebiet der emotionalen Intelligenz im deutschsprachigen Raum, erklärt im Interview, worin genau der Unterschied liegt, warum Führung ohne emotionale Intelligenz nicht funktioniert – und wie die ID37 Persönlichkeitsdiagnostik dabei hilft, echte Empathie zu entwickeln. Mit ihrem Unternehmen Herzig EQ begleitet sie seit über 15 Jahren Menschen dabei, ihre emotionale Kompetenz zu verbessern.
Auf einen Blick:
- Empathie ist ein Baustein der emotionalen Intelligenz – nicht dasselbe.
- Emotionale Intelligenz umfasst fünf Kompetenzbereiche: Selbstwahrnehmung, Selbstregulierung, soziale Kompetenz, Empathie und intrinsische Motivation.
- Empathie selbst besteht aus vier trainierbaren Dimensionen: Fühl-, Sprach-, Denk- und Signalgenauigkeit.
- Meta-Analysen belegen: Emotionale Intelligenz korreliert klar mit beruflichem Erfolg, besonders in Führungsrollen.
- Die ID37 Persönlichkeitsdiagnostik macht Motivstrukturen sichtbar und fördert kognitive Empathie – ein Schlüssel für wirksame Führung.
Was ist der Unterschied zwischen Empathie und emotionaler Intelligenz?
Empathie ist ein Baustein der emotionalen Intelligenz (EI) – nicht ihr Synonym. Wie die Definitionen zeigen, liegen beide Begriffe nahe beieinander:
- Emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen.
- Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Emotionen, Gedanken und Motive einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden.
Den Begriff der emotionalen Intelligenz haben John D. Mayer und Peter Salovey 1990 wissenschaftlich geprägt. In ihrer Definition geht es darum, wie ein Mensch eigene sowie fremde Emotionen wahrnehmen, verstehen und gezielt regulieren kann. Darauf aufbauend fasste Daniel Goleman fünf zentrale Kompetenzbereiche zusammen:
- Selbstwahrnehmung
- Selbstregulierung
- Soziale Kompetenz
- Empathie
- Intrinsische Motivation
Gerade beim letzten Punkt – der intrinsischen Motivation – schließt sich der Kreis zur ID37 Persönlichkeitsdiagnostik. Sie macht individuelle Antriebsmuster und Bedürfnisse präzise sichtbar – ein wichtiger Hebel für authentische Selbstführung und effektive Teamführung.
Welche Dimensionen hat Empathie?
Empathie ist vielschichtiger als oft angenommen und besteht aus vier trainierbaren Dimensionen:
- Emotionale Fühlgenauigkeit – Wie präzise nehme ich emotionale Zustände wahr?
- Emotionale Sprachgenauigkeit – Wie treffend benenne ich Gefühle?
- Emotionale Denkgenauigkeit – Wie gut verstehe ich die Logik emotionaler Reaktionen?
- Emotionale Signalgenauigkeit – Wie sicher erkenne ich nonverbale Signale?
Die gute Nachricht: All diese Aspekte lassen sich mit gezieltem Training entwickeln.
Warum ist emotionale Intelligenz im Beruf ein Erfolgsfaktor?
Weil emotionale Intelligenz nachweislich mit beruflicher Leistung korreliert – besonders in Führung, Vertrieb und Kundenkontakt. Joseph & Newman konnten 2010 mit einer Meta-Analyse von 43 Einzelstudien (N > 7.000) eine klare Korrelation zwischen emotionaler Intelligenz und beruflichem Erfolg nachweisen. Isabella Herzig bestätigt das aus ihrer Praxis: Viele ihrer Klient:innen konnten nicht nur die Qualität ihrer Beziehungen, sondern auch ihren beruflichen Erfolg signifikant steigern.
„Emotionale Intelligenz ist eine echte Superkraft.“
Isabella Herzig, ID37 Master und Gründerin von Herzig EQ
Wie hilft Persönlichkeitsdiagnostik, Empathie zu entwickeln?
Die ID37 Persönlichkeitsdiagnostik macht Motivstrukturen sichtbar und fördert kognitive Empathie – die im Arbeitskontext besonders wirksam ist. Isabella Herzig arbeitet häufig im Team- und Führungskontext mit ID37. Dabei spielt auch ihre eigene Motivausprägung eine Rolle: Ihre hohe Ausprägung des Motivs SICHERHEIT führt dazu, dass sie sich auf wissenschaftlich fundierte Konzepte stützt.
Gary Yukl, einer der renommiertesten Führungsforscher, betont: „Ein hohes Maß an Selbstbewusstsein erleichtert es, die eigenen Bedürfnisse und wahrscheinlichen Reaktionen auf bestimmte Ereignisse zu erkennen – was wiederum die Bewertung alternativer Handlungsoptionen erleichtert.“ Sich selbst zu kennen ist der Ursprung guter Führung.
Im ID37 Auswertungsgespräch entstehen echte Aha-Momente – sei es in der Versöhnung mit dem eigenen Verhalten oder im spontanen Verständnis für die Eigenarten anderer. Das ID37 Modell unterstützt dabei, Empathie zu entwickeln und einzuordnen. Denn Empathie muss nicht immer bedeuten, dass wir mitfühlen. Verstehen heißt nicht immer auch „einverstanden sein“. Aber mit hoher emotionaler Intelligenz kann man adäquat reagieren, motivieren, führen.
Welche Empathie-Fallen gibt es in der Führungspraxis?
Viele Führungskräfte glauben, empathisch zu handeln – bleiben aber an der Oberfläche. Ich erinnere mich an eine typische Situation: Ein Team rief sie an und fragte, ob sie kürzlich mit ihrer Führungskraft gearbeitet hätte. Die Antwort: „Unser Chef hat gerade die Bürotür aufgerissen, laut in den Raum gerufen: ‚Gut gemacht!‘ – und ist dann einfach wieder gegangen.“
Die Führungskraft liegt beim Motiv SOZIALE ANERKENNUNG beim niedrigsten Wert und hatte nach dem Coaching verstanden, dass andere Lob brauchen – setzte es aber mechanisch um. Im nächsten Coaching arbeiteten wir intensiver an empathischer Kommunikation: daran, wie man Feedback so gibt, damit es als echt erlebt wird.
Ein weiteres Thema: der Umgang mit dem Zuhören. Empathische Menschen hören nicht nur zu, um Informationen zu bekommen – sie hören, um zwischen den Zeilen zu lesen. Viele glauben, aktives Zuhören längst zu beherrschen. Doch ob wir empathisch und zugewandt zuhören oder nur anwesend sind und gelegentlich „aha“ sagen – macht einen gewaltigen Unterschied.
Wie lässt sich emotionale Intelligenz im Alltag trainieren?
Mit einem überraschend einfachen Praxis-Tipp: Filme und Serien schauen. Wer Charaktere genau beobachtet – insbesondere ihre Mimik, Gestik und Dialoge – übt implizit, Emotionen zu erkennen und Motive nachzuvollziehen. Das ist niedrigschwelliger als im echten Leben, aber dennoch wirksam. Isabella Herzig empfiehlt besonders alltägliche Formate, bei denen sich soziale Wahrnehmung gut schärfen lässt.
Emotionale Intelligenz vertiefen
Wer emotionale Intelligenz professionell einsetzen will, findet in der EQ-Profiler Ausbildung von Isabella Herzig eine zertifizierte Weiterbildung. Alle Infos auf der Website von herzig-eq.de.
Häufige Fragen zu emotionaler Intelligenz und Empathie
- Was ist emotionale Intelligenz?
Die Fähigkeit, eigene und fremde Emotionen wahrzunehmen, zu verstehen und gezielt zu regulieren. Der Begriff wurde 1990 von John D. Mayer und Peter Salovey wissenschaftlich geprägt. - Ist Empathie angeboren oder erlernbar?
Empathie hat angeborene Anteile, lässt sich aber gezielt trainieren – etwa durch die Schulung emotionaler Fühlgenauigkeit und aktives Zuhören. - Wie hilft ID37 bei der Entwicklung emotionaler Intelligenz?
Das ID37 Persönlichkeitsmodell macht individuelle Motivstrukturen sichtbar und fördert kognitive Empathie – ein wichtiger Baustein für Führung und Coaching. - Was unterscheidet kognitive von emotionaler Empathie?
Kognitive Empathie bedeutet, die Perspektive des Gegenübers zu verstehen. Emotionale Empathie bedeutet, Gefühle mitzuempfinden. Im Arbeitskontext ist vor allem kognitive Empathie wirksam.
Für die Expertin Isabella Herzig ist emotionalen Intelligenz (EI) eine echte Superkraft. Empathie ist ein Bestandteil der emotionalen Intelligenz.