Psychologie

Wie veränderbar ist Persönlichkeit?

Geschrieben von
Cornelia Kirschke
|
21.2.2020
ID37-Psychologe-Dr-Jan-Dörendahl

Persönlichkeit ist relativ stabil, aber nicht unveränderlich. Die Forschung zeigt: Unsere Persönlichkeit verändert sich im Laufe des Lebens – durch Reifungsprozesse und einschneidende Lebensereignisse. Gezielte Veränderungen sind jedoch nur in einem begrenzten Rahmen möglich. Aus einer schüchternen Person wird in der Regel keine kontaktfreudige. Wer seine Persönlichkeit kennt, kann aber gezielt an Verhaltensgewohnheiten arbeiten.

Auf einen Blick:

  • Persönlichkeit beschreibt die individuellen Regelmäßigkeiten im Verhalten und Erleben eines Menschen.
  • Die Persönlichkeit stabilisiert sich bereits im Kindes- und Jugendalter.
  • Veränderungen entstehen durch natürliche Reifung und einschneidende Lebensereignisse.
  • Gezielte Persönlichkeitsveränderung im Erwachsenenalter ist nur innerhalb eines begrenzten Spielraums möglich.
  • Selbstkenntnis – etwa durch den ID37 Persönlichkeitstest – hilft, den eigenen Spielraum zu erkennen und gezielt zu nutzen.

Was ist Persönlichkeit?

Persönlichkeit beschreibt die Individualität eines Menschen hinsichtlich der Regelmäßigkeiten seines Verhaltens und Erlebens. Der Begriff „Regelmäßigkeit“ impliziert dabei eine zeitliche Stabilität (Asendorpf, 2015). Die menschliche Persönlichkeit beginnt sich bereits im Kindes- und Jugendalter zu stabilisieren (Asendorpf, 2016) – sie ist also kein beliebig formbares Konstrukt, sondern ein relativ beständiges Merkmal.

Verändert sich die Persönlichkeit im Laufe des Lebens?

Ja – Persönlichkeit ist nicht statisch, sondern verändert sich durch Reifung und einschneidende Lebensereignisse. Früher galt die Annahme, dass die Persönlichkeitsentwicklung mit dem 30. Lebensjahr abgeschlossen ist. Aktuellere Befunde widerlegen dies (Asendorpf, 2016).

Langzeitstudien liefern Hinweise auf Persönlichkeitsveränderung durch zwei Faktoren:

  • Reifungsprozesse: Gewissenhaftigkeit nimmt beispielsweise bis etwa zum 40. Lebensjahr zu (Roberts et al., 2006; Specht et al., 2011).
  • Kritische Lebensereignisse (Major Life Events): Extraversion sinkt nach der Eheschließung stärker ab, Gewissenhaftigkeit steigt nach dem Berufseinstieg stärker an (Specht et al., 2011).

Kann man seine Persönlichkeit gezielt verändern?

Nur eingeschränkt – durch die frühe Stabilisierung der Persönlichkeit sind gezielte Interventionen im Erwachsenenalter wenig vielversprechend. Dr. Jan Dörendahl, wissenschaftlicher Mitarbeiter im ID37-Entwicklerteam an der Universität Luxemburg, erklärt: Wäre interventionsinduzierte Veränderung einfach möglich, würden Menschen einander zunehmend ähnlicher – und die Individualität ginge verloren.

Bestimmte Persönlichkeitseigenschaften gelten als gesellschaftlich erwünscht, andere als weniger erwünscht (Asendorpf, 2015). Die Versuchung, „erwünschte“ Eigenschaften gezielt zu verstärken, wäre groß – doch die Forschung zeigt klare Grenzen.

Welchen Spielraum gibt es bei der Persönlichkeitsveränderung?

Jeder Mensch hat einen individuellen Verhaltensbereich, innerhalb dessen situative Schwankungen möglich sind. Mit den richtigen Methoden lassen sich solche Schwankungen in neue Verhaltensgewohnheiten überführen. Aber in der Regel wird aus einer schüchternen Person keine kontaktfreudige.

Der entscheidende Punkt: Selbstkenntnis ist die Voraussetzung, um den eigenen Spielraum zu erkennen und gezielt zu nutzen. Wer seine Persönlichkeit kennt, kann Verhaltensstrategien entwickeln, die zur eigenen Persönlichkeitsstruktur passen – statt gegen sie zu arbeiten.

Wie hilft Selbstkenntnis bei der persönlichen Entwicklung?

Der ID37 Persönlichkeitstest erfasst 16 Lebensmotive und zeigt, was einen Menschen antreibt – eine fundierte Grundlage für gezielte persönliche Entwicklung. Anders als Typentests bildet ID37 die individuelle Persönlichkeit differenziert auf mehreren Dimensionen ab. Das hilft, den eigenen Handlungsspielraum zu verstehen und Entwicklungsschritte zu planen, die zur eigenen Persönlichkeit passen.

Details zur Entwicklung des ID37 Tests und psychologische Grundlagen der Persönlichkeit können im Fachbuch „Die ID37 Persönlichkeitsanalyse“ nachgelesen werden. Wer die Rolle von Persönlichkeitsdiagnostik im Coaching vertiefen möchte, findet weiterführende Einordnungen bei Prof. Dr. Christoph Kemper.

Quellen:

  • Asendorpf, J. (2015). Persönlichkeitspsychologie für Bachelor. 3., aktualisierte Auflage. Springer.
  • Asendorpf, J. (2016). Stabilität, Veränderung und Vorhersagekraft der Persönlichkeit. In K. Sonntag (Hrsg.), Personalentwicklung in Organisationen, 4. Auflage. Hogrefe.
  • Roberts, B. W., Walton, K. E. & Viechtbauer, W. (2006). Patterns of mean-level change in personality traits across the life course. Psychological Bulletin, 132(1), 1–25.
  • Specht, J., Egloff, B. & Schmukle, S. C. (2011). Stability and change of personality across the life course. Journal of Personality and Social Psychology, 101(4), 862–882.

Häufige Fragen zur Veränderbarkeit der Persönlichkeit

  • Ist die Persönlichkeitsentwicklung mit 30 abgeschlossen?
    Nein. Diese Annahme gilt als überholt. Studien zeigen, dass sich Persönlichkeitsmerkmale auch nach dem 30. Lebensjahr verändern – allerdings in geringerem Maße als in jüngeren Jahren.
  • Welche Lebensereignisse verändern die Persönlichkeit?
    Einschneidende Ereignisse wie Eheschließung, Berufseinstieg oder Elternschaft können messbare Veränderungen bewirken – etwa einen Rückgang der Extraversion oder einen Anstieg der Gewissenhaftigkeit.
  • Kann Coaching die Persönlichkeit verändern?
    Coaching verändert nicht die Grundpersönlichkeit, kann aber helfen, Verhaltensmuster zu reflektieren und innerhalb des eigenen Spielraums neue Gewohnheiten zu entwickeln.
  • Was misst der ID37 Persönlichkeitstest?
    ID37 erfasst 16 Lebensmotive, die zeigen, was einen Menschen antreibt. Die Ergebnisse helfen, den eigenen Handlungsspielraum zu verstehen und gezielt zu nutzen.
Die Antwort ist "jein": Dr. Jan Dörendahl erklärt, ob wir unsere Persönlichkeit verändern können

Weitere Artikel

FAQs

Fragen und Antworten

Was ist die ID37 Persönlichkeitsanalyse?

Die ID37 Persönlichkeitsanalyse ist ein wissenschaftlich fundierter Test, der 16 Lebensmotive misst. Diese Motive treiben unser Verhalten an – unbewusst und lebenslang. Der Test erstellt ein individuelles Persönlichkeitsprofil, das zeigt, was Sie wirklich antreibt. Anders als Typentests ordnet ID37 nicht in Schubladen ein, sondern bildet die einzigartige Motivstruktur jedes Menschen ab. Das Ergebnis: tiefes Selbstverständnis und gezielte Entwicklung. Die ID37 Persönlichkeitsanalyse wird erfolgreich in Coaching, Führungskräfteentwicklung, Personaldiagnostik und zur persönlichen Standortbestimmung eingesetzt.

ID37 Persönlichkeitstest durchführen
Zum 4-Minuten-Erklärvideo „ID37 Persönlichkeitsanaylse“

Was sind Lebensmotive und wie beeinflussen sie die Persönlichkeit?

Lebensmotive sind grundlegende innere Antreiber, die bestimmen, warum Menschen handeln, fühlen und denken, wie sie es tun. Die Psychologie unterscheidet 16 universelle Lebensmotive – darunter Neugier, Autonomie, soziale Anerkennung und Einfluss. Jeder Mensch besitzt alle 16 Motive, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Diese individuelle Kombination formt die Persönlichkeit wie ein einzigartiger Fingerabdruck. Im Gegensatz zu Persönlichkeitstypen (wie beispielsweise beim MBTI und DISG) zeigen Lebensmotive die tieferliegenden Bedürfnisse, die das Verhalten langfristig steuern. Sie sind wissenschaftlich messbar und helfen dabei, die eigene Motivation besser zu verstehen. Gängige psychologische Fachbegriffe rund um Persönlichkeit und Motivation sind im ID37 Glossar erklärt.


Psychologie-Glossar entdecken

Welche 16 Lebensmotive misst ID37?

ID37 analysiert 16 fundamentale Lebensmotive. Jedes Motiv beschreibt ein Grundbedürfnis, das Verhalten steuert.

Die 16 Lebensmotive im Überblick:

  • Neugier: Streben nach Wissen, Erkenntnis und intellektueller Herausforderung
  • Soziale Anerkennung: Streben nach Bestätigung und Anerkennung durch andere
  • Einfluss: Streben nach Kontrolle und Einfluss auf Personen und Vorgänge
  • Status: Streben nach Ansehen und einer hervorgehobenen Stellung in der Gesellschaft
  • Besitzen: Bestreben, Besitz und Vorräte anzulegen und zu erhalten
  • Autonomie: Streben nach Unabhängigkeit von den Erwartungen und dem Einfluss anderer
  • Sozialkontakte: Wunsch nach sozialen Interaktionen und Kontakt zu anderen Menschen
  • Prinzipien: Streben nach Konformität mit sozialen Normen einer gesellschaftlichen Gruppe oder der Gesellschaft
  • Soziales Engagement: Engagement für benachteiligte und notleidende Menschen und für eine gerechtere Gesellschaft
  • Struktur: Bestreben, sich die Umwelt in einfacher und widerspruchsfreier Weise zu strukturieren
  • Sicherheit: Wunsch nach einem ruhigen und sicheren Leben
  • Revanche: Streben nach Vergeltung von erlebtem Unrecht
  • Bewegung: Streben nach Bewegung und körperlicher Aktivität
  • Essensgenuss: Streben nach genussvollen Erfahrungen bei der Nahrungsaufnahme
  • Familie: Wunsch nach Fürsorge für die Familie
  • Sinnlichkeit: Streben nach sinnlichen, erotischen Erfahrungen und einem aktiven, erfüllten Sexualleben

Die individuelle Ausprägung – stark, durchschnittlich oder gering – erklärt, warum Menschen unterschiedlich handeln und reagieren.

Zum 4-Minuten-Erklärvideo "ID37 Persönlichkeitsanalyse"
Psychologie-Glossar entdecken
Zum ID37 Buch

Was sagt mein ID37 Persönlichkeitsprofil konkret über mich aus?

Das ID37 Persönlichkeitsprofil zeigt die Ausprägung der 16 Lebensmotive – von stark über durchschnittlich bis gering. Es erklärt, was eine Person antreibt, was ihr Energie gibt und was sie meidet. Das Profil macht sichtbar, warum eine Person in bestimmten Situationen so reagiert, wie sie reagiert. Es typisiert nicht, sondern bildet die einzigartige Motivstruktur ab, macht Bedürfnisse verständlich und ermöglicht es Personen zielgerichtet an ihrer Entwicklung zu arbeiten.

Zum 4-Minuten-Erklärvideo "ID37 Persönlichkeitsanalyse"

Wie kann ich mein ID37 Profil ganz konkret im Alltag nutzen?

Das ID37 Profil dient als individueller Kompass für Entscheidungen. Es bildet die Grundlage für effektive Selbststeuerung, Emotionsregulierung und persönliche Weiterentwicklung.

1. Selbsterkenntnis und Zielsetzung: Durch die Kenntnis der 16 Lebensmotive erkennt jede Person, was ihr im Leben wirklich wichtig ist und wo sie intrinsisch motiviert ist.

2. Emotionen und Stressbewältigung: Personen lernen ihre emotionalen Muster zu erkennen und Triggerpunkte zu lokalisieren. Dies ermöglicht, Emotionen zu antizipieren und zu regulieren.

3. Beziehungen und Konfliktlösung: Die Selbsterkenntnis hilft zu verstehen, warum andere Menschen anders sind. Der Erfolgsfaktor: Andere so zu nehmen, wie sie sind.

4. Umgang mit Wahrnehmung: Das ID37 Profil macht „blinde Flecken“ sichtbar.

Der KI-Coach unterstützt profilierte Personen dabei, ihre Soft Skills zu trainieren.

Zum 4-Minuten-Erklärvideo "ID37 Persönlichkeitsanalyse"

Ist ID37 wissenschaftlich fundiert?

Ja, ID37 basiert auf moderner Testentwicklung und erfüllt hohe psychometrische Standards. Die Methode wurde an der Universität Luxemburg entwickelt. Sie nutzt aktuelle Erkenntnisse der Motivationspsychologie und Persönlichkeitsforschung. Im Gegensatz zu veralteten Typologien wie MBTI oder DISG erklärt ID37 die Ursachen von Verhalten – nicht nur dessen Oberfläche. Die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität sind wissenschaftlich belegt.

Das wissenschaftliche Manual runterladen

ID37 Newsletter abonnieren!