Persönlichkeit ist relativ stabil, aber nicht unveränderlich. Die Forschung zeigt: Unsere Persönlichkeit verändert sich im Laufe des Lebens – durch Reifungsprozesse und einschneidende Lebensereignisse. Gezielte Veränderungen sind jedoch nur in einem begrenzten Rahmen möglich. Aus einer schüchternen Person wird in der Regel keine kontaktfreudige. Wer seine Persönlichkeit kennt, kann aber gezielt an Verhaltensgewohnheiten arbeiten.
Auf einen Blick:
- Persönlichkeit beschreibt die individuellen Regelmäßigkeiten im Verhalten und Erleben eines Menschen.
- Die Persönlichkeit stabilisiert sich bereits im Kindes- und Jugendalter.
- Veränderungen entstehen durch natürliche Reifung und einschneidende Lebensereignisse.
- Gezielte Persönlichkeitsveränderung im Erwachsenenalter ist nur innerhalb eines begrenzten Spielraums möglich.
- Selbstkenntnis – etwa durch den ID37 Persönlichkeitstest – hilft, den eigenen Spielraum zu erkennen und gezielt zu nutzen.
Was ist Persönlichkeit?
Persönlichkeit beschreibt die Individualität eines Menschen hinsichtlich der Regelmäßigkeiten seines Verhaltens und Erlebens. Der Begriff „Regelmäßigkeit“ impliziert dabei eine zeitliche Stabilität (Asendorpf, 2015). Die menschliche Persönlichkeit beginnt sich bereits im Kindes- und Jugendalter zu stabilisieren (Asendorpf, 2016) – sie ist also kein beliebig formbares Konstrukt, sondern ein relativ beständiges Merkmal.
Verändert sich die Persönlichkeit im Laufe des Lebens?
Ja – Persönlichkeit ist nicht statisch, sondern verändert sich durch Reifung und einschneidende Lebensereignisse. Früher galt die Annahme, dass die Persönlichkeitsentwicklung mit dem 30. Lebensjahr abgeschlossen ist. Aktuellere Befunde widerlegen dies (Asendorpf, 2016).
Langzeitstudien liefern Hinweise auf Persönlichkeitsveränderung durch zwei Faktoren:
- Reifungsprozesse: Gewissenhaftigkeit nimmt beispielsweise bis etwa zum 40. Lebensjahr zu (Roberts et al., 2006; Specht et al., 2011).
- Kritische Lebensereignisse (Major Life Events): Extraversion sinkt nach der Eheschließung stärker ab, Gewissenhaftigkeit steigt nach dem Berufseinstieg stärker an (Specht et al., 2011).
Kann man seine Persönlichkeit gezielt verändern?
Nur eingeschränkt – durch die frühe Stabilisierung der Persönlichkeit sind gezielte Interventionen im Erwachsenenalter wenig vielversprechend. Dr. Jan Dörendahl, wissenschaftlicher Mitarbeiter im ID37-Entwicklerteam an der Universität Luxemburg, erklärt: Wäre interventionsinduzierte Veränderung einfach möglich, würden Menschen einander zunehmend ähnlicher – und die Individualität ginge verloren.
Bestimmte Persönlichkeitseigenschaften gelten als gesellschaftlich erwünscht, andere als weniger erwünscht (Asendorpf, 2015). Die Versuchung, „erwünschte“ Eigenschaften gezielt zu verstärken, wäre groß – doch die Forschung zeigt klare Grenzen.
Welchen Spielraum gibt es bei der Persönlichkeitsveränderung?
Jeder Mensch hat einen individuellen Verhaltensbereich, innerhalb dessen situative Schwankungen möglich sind. Mit den richtigen Methoden lassen sich solche Schwankungen in neue Verhaltensgewohnheiten überführen. Aber in der Regel wird aus einer schüchternen Person keine kontaktfreudige.
Der entscheidende Punkt: Selbstkenntnis ist die Voraussetzung, um den eigenen Spielraum zu erkennen und gezielt zu nutzen. Wer seine Persönlichkeit kennt, kann Verhaltensstrategien entwickeln, die zur eigenen Persönlichkeitsstruktur passen – statt gegen sie zu arbeiten.
Wie hilft Selbstkenntnis bei der persönlichen Entwicklung?
Der ID37 Persönlichkeitstest erfasst 16 Lebensmotive und zeigt, was einen Menschen antreibt – eine fundierte Grundlage für gezielte persönliche Entwicklung. Anders als Typentests bildet ID37 die individuelle Persönlichkeit differenziert auf mehreren Dimensionen ab. Das hilft, den eigenen Handlungsspielraum zu verstehen und Entwicklungsschritte zu planen, die zur eigenen Persönlichkeit passen.
Details zur Entwicklung des ID37 Tests und psychologische Grundlagen der Persönlichkeit können im Fachbuch „Die ID37 Persönlichkeitsanalyse“ nachgelesen werden. Wer die Rolle von Persönlichkeitsdiagnostik im Coaching vertiefen möchte, findet weiterführende Einordnungen bei Prof. Dr. Christoph Kemper.
Quellen:
- Asendorpf, J. (2015). Persönlichkeitspsychologie für Bachelor. 3., aktualisierte Auflage. Springer.
- Asendorpf, J. (2016). Stabilität, Veränderung und Vorhersagekraft der Persönlichkeit. In K. Sonntag (Hrsg.), Personalentwicklung in Organisationen, 4. Auflage. Hogrefe.
- Roberts, B. W., Walton, K. E. & Viechtbauer, W. (2006). Patterns of mean-level change in personality traits across the life course. Psychological Bulletin, 132(1), 1–25.
- Specht, J., Egloff, B. & Schmukle, S. C. (2011). Stability and change of personality across the life course. Journal of Personality and Social Psychology, 101(4), 862–882.
Häufige Fragen zur Veränderbarkeit der Persönlichkeit
- Ist die Persönlichkeitsentwicklung mit 30 abgeschlossen?
Nein. Diese Annahme gilt als überholt. Studien zeigen, dass sich Persönlichkeitsmerkmale auch nach dem 30. Lebensjahr verändern – allerdings in geringerem Maße als in jüngeren Jahren. - Welche Lebensereignisse verändern die Persönlichkeit?
Einschneidende Ereignisse wie Eheschließung, Berufseinstieg oder Elternschaft können messbare Veränderungen bewirken – etwa einen Rückgang der Extraversion oder einen Anstieg der Gewissenhaftigkeit. - Kann Coaching die Persönlichkeit verändern?
Coaching verändert nicht die Grundpersönlichkeit, kann aber helfen, Verhaltensmuster zu reflektieren und innerhalb des eigenen Spielraums neue Gewohnheiten zu entwickeln. - Was misst der ID37 Persönlichkeitstest?
ID37 erfasst 16 Lebensmotive, die zeigen, was einen Menschen antreibt. Die Ergebnisse helfen, den eigenen Handlungsspielraum zu verstehen und gezielt zu nutzen.
Die Antwort ist "jein": Dr. Jan Dörendahl erklärt, ob wir unsere Persönlichkeit verändern können