Warum es uns hilft, andere besser zu verstehen

Geschrieben von
Cornelia Kirschke
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29.3.2019
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Warum es uns hilft, andere besser zu verstehen


Als ich vor ein paar Tagen nach dem alljährlichen Familientreffen zum Weihnachtsfest mit dem Zug von München nach Berlin zurückfuhr, fiel mir eine Episode des Vorjahres ein, die den Auftakt zu unserem Buch „Die ID37 Persönlichkeitsanalyse“ machte. Diejenigen, die das Buch schon gelesen haben, werden die Geschichte wiedererkennen.


Der Fremde im Zug

Es war ein kalter, verregneter Novembernachmittag, als ich die Rückreise von einem sehr gelungenen Geschäftstermin antrat. Das Gespräch hatte allerdings länger gedauert als geplant, und so hatte ich nur mit Ach und Krach meinen gebuchten Zug erreicht. Der Bahnsteig war brechend voll, das Wetter war ungemütlich. Umso glücklicher war ich, meine nasse Jacke aufhängen und mich in meinen reservierten Sitz fallen lassen zu können. Geschafft! Ich nickte meinem Sitznachbarn freundlich zu, zog meinen Laptop aus der Tasche und vertiefte mich in meine Gesprächsnotizen.
Am nächsten Halt stieg wieder ein ganzer Schwung Passagiere zu. Ich versuchte, das Gewusel zu ignorieren, doch einer der neu zugestiegenen Reisenden wurde auf einmal immer lauter. Offenbar stimmte etwas mit seiner Reservierung nicht, denn er diskutierte mit einem Passagier, der vermeintlich auf seinem Platz saß. Die Dame, die auf eben diesem Platz saß, hatte jedoch ebenfalls eine Reservierung, und so wurde der Zugbegleiter hinzugerufen. Wie sich herausstellte, hatte der Herr einen anderen Zug genommen, so dass seine Reservierung ungültig war. Statt sich jedoch einfach zu entschuldigen und sich damit abzufinden, wurde er laut und brüllte den Zugbegleiter an, dass das doch wohl nicht wahr sein könne, er hätte die Reservierung schließlich bezahlt und ein flexibles Ticket. Der Zugbegleiter blieb freundlich, erklärte ihm die Lage mehrfach und schlug vor, er möge sich doch in den Speisewagen setzen, falls er keinen anderen Platz fände. Doch der Passagier steigerte sich weiter in seine Wut hinein.

Ursache von Verhalten erkennen

Mein professionelles Interesse war natürlich geweckt. Welche Motive (16 Lebensmotive) waren hier am Werk? Gespannt beobachtete ich die Szenerie. Wie schaffte der Zugbegleiter es, so ruhig zu bleiben? Und wie reagierten die Mitreisenden? Während manche unbeeindruckt scheinen, war es anderen sichtlich unangenehm. Wenn wir selbst eher friedfertig sind, ist uns ein solches Verhalten fremd. Wir finden es rücksichtslos, unbeherrscht und unfair. Die Entspannung ist dahin, und manch einer überlegt, wie er schlichtend eingreifen könnte. Für den Schimpfenden hingegen ist es normal, dass er seine Wut auslebt – er kann gar nicht anders. Es kommt ihm daher auch gar nicht in den Sinn, dass er seine Mitmenschen belästigt und gegebenenfalls Gegenreaktionen hervorruft.
Am Ende hat sich der Herr dann doch in den Speisewagen zurückgezogen. Doch das Beispiel zeigt, wie unterschiedlich Menschen ein und dieselbe Situation erleben. Während der eine mit den Schultern gezuckt und gesagt hätte: „Naja, was soll’s, kann passieren.“, sinnt ein anderer nach Vergeltung. Ursache dafür ist übrigens meist das Motiv REVENGE.

Gelassen bleiben

Wir alle nehmen die Welt anders wahr. Beobachtung und Erleben sind beeinflusst von der eigenen Persönlichkeit, angetrieben von 16 unterschiedlich ausgeprägten Lebensmotiven. Diesen Aufmerksamkeit zu schenken, sie zu erkennen und einzuordnen hilft uns gelassener zu bleiben. Das ist gut für uns und für unser Miteinander.

Du möchtest mehr über Menschen und ihr Verhalten verstehen? Unser Buch „Die ID37 Persönlichkeitsanalyse“ liefert wichtige Erkenntnisse zum Thema Persönlichkeit.

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Photo by Gerrie van der Walt on Unsplash

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