„Küchen-psychologie hilft hier nicht weiter“ (Teil 1)

Geschrieben von
Cornelia Kirschke
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12.9.2019
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Frau Springer, Ihre Masterarbeit "Veränderungsmanagement – Eine qualitative Untersuchung relevanter Aspekte der Personal Mastery“ zielt darauf ab, Ansätze zu finden, wie der Faktor Mensch in Veränderungsprozessen standardisiert berücksichtigt werden kann. In diesem Zusammenhang haben Sie sich auch verschiedene Persönlichkeitsanalyse-Verfahren angesehen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass der Führungspersönlichkeit eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.


Bitte erzählen Sie uns kurz etwas zu Ihrem Studium und Ihrem persönlichen Hintergrund - Was war der Anlass für dieses Thema?

Anlass für das Thema war es, immer wieder Menschen zu erleben, die enthusiastisch und voller Energie ins Berufsleben starten – um wenige Jahre später ernüchtert und lieblos „Dienst nach Vorschrift“ zu verrichten. Oftmals war diese Entwicklung eine Folge gescheiterter Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt – sei es im technischen, organisatorischen oder aufgabenbezogenen Bereich. Das resignierte „Ach, wieder mal eine Umstrukturierung - das bringt doch sowieso nichts“ im Arbeitsumfeld von Menschen zu hören, die von der grundsätzlichen Persönlichkeitsstruktur her aufgeschlossen, interessiert und neugierig sind, hat mich erschreckt. Und dazu veranlasst zu hinterfragen, was hier schiefgelaufen ist: Liegt es an den einzelnen Personen? Am Team? An den Arbeitsbedingungen? An der Führungsebene?

Als Journalistin und Redakteurin gehe ich Dingen gern auf den Grund. Küchenpsychologie hilft hier nicht weiter, es sind fundierte Kenntnisse vonnöten. Deshalb entschied ich mich für den zweijährigen Studiengang „Kommunikations- und Betriebspsychologie (MSc)“, der berufsbegleitend als Fernstudium an der FHWien der Wirtschaftskammer in Kooperation mit dem Akademischen Lehrinstitut für Psychologie (ALP) in Lübeck angeboten wird. Die Inhalte vermitteln sowohl Einblicke in unterschiedliche Aspekte der Arbeits-, Betriebs-, Organisations- sowie klinischer Psychologie als auch Wissen um Kommunikationsmodelle und Konfliktmanagement.


Welchen Aspekt haben Sie in Ihrer Masterarbeit genau untersucht?

Mich hat interessiert, welche Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung und Selbstführung des Individuums für die Veränderungsbereitschaft von Teams in der Arbeitswelt relevant sind. Peter Senge hat den Begriff der Personal Mastery geprägt – eine der fünf Disziplinen, die Voraussetzung sind für eine lernende Organisation. Da diese Disziplin komplex und facettenreich ist, habe ich mehrere Methoden eingesetzt, um den Entwicklungsgrad der Personal Mastery zu hinterfragen: Zum ersten die Team-Analyse nach Kauffeld, die Aufschluss gibt über den Ist-Zustand eines Teams. Zum zweiten die Abfrage stabiler Persönlichkeitsmerkmale mit Schwerpunkt auf die persönliche Veränderungsbereitschaft und Offenheit für Neues und als Drittes die Motivationsanalyse, die persönliche Bedürfnisse offenlegt und erklärt, wer warum wie handelt.

Zu welchem Ergebnis sind Sie gekommen?

Führungskräfte spielen bei Veränderungsprozessen die entscheidende Rolle: Jede Führungskraft, die eine Veränderung in der Arbeitswelt erfolgreich umsetzen will, muss als Erstes sich selbst hinterfragen, „Nabelschau“ betreiben: Wie steht es denn um meine Persönlichkeitsentwicklung? Welche Visionen habe ich? Bin ich ein Vorbild, was die Veränderungsbereitschaft betrifft? Wie gut kenne ich meine Mitarbeitenden und deren Motivationen? Wie steht es um meine Empathie? Wie kommuniziere ich mit der Belegschaft? Pflege ich einen ermutigenden Führungsstil?
Führungskräfte können nicht von Mitarbeitenden Eigenschaften und Verhaltensweisen verlangen, die sie selbst nicht verinnerlicht haben und vorleben.

Dazu sind nicht nur grundlegende Kenntnisse der menschlichen Psyche, sondern auch das Wissen um gelingende Kommunikation sowie das Bewusstsein, dass Veränderungsprozesse gut vorbereitet und professionell begleitet werden müssen, um erfolgreich zu sein, unabdingbar. Die große Zahl der gescheiterten Veränderungsprozesse zeigt, dass mindestens einer dieser Aspekte, häufig zugunsten betriebswirtschaftlicher Betrachtungen, außer Acht gelassen wird: Erfolgssoptimierung, der Blick auf Strukturen oder die Modernisierung stehen im Vordergrund und eben nicht die Mitarbeitenden, die das umsetzen sollen.


Im 2. Teil verrät Ute Springer, wie ihre Erkenntnisse in die praktische Arbeit einfließen und welche Relevanz Persönlichkeitstest wie ID37 haben.

Frau Springer hat in ihren Recherchen auch das Buch „Die ID37 Persönlichkeitsanalyse -Bedeutung und Wirkung von Lebensmotiven für effiziente Selbststeuerung“ herangezogen.
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