Drei Fragen an Irina Beha

Geschrieben von
Cornelia Kirschke
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15.11.2019
ID37 Newsletter Profilbild Irina Beha
Irina Beha kommt gebürtig aus Kasachstan und lebt seit mehr als 25 Jahren in Süddeutschland. Sie hat nicht nur ein Masterstudium als Wirtschaftspsychologin, Fachrichtung Change Management, in Heidelberg absolviert, sondern ihre Professionalität durch Weiterbildungen zum Business Coach (DBVC) und als Mitglied der Akademie für Neurowissenschaftliche Bildungsmanagement (AFNB) erweitert. Dem nicht genug: Irina ist seit mehr als 15 Jahren Unternehmerin und Gründerin des Business Kompetenz Center in Rottweil. Mit dieser geballten Expertise bringt die ID37 Instruktorin die Persönlichkeitsanalyse in den russischen Markt.

Ganz allgemein gefragt: Wann ist Führungskräftecoaching wirksam?

Die Wirksamkeit von Coaching ist, meiner Meinung nach, nur dann sichtbar, wenn ein starker Wunsch nach einer Veränderung im Raum steht und die gewohnten „Hausmittelchen“ nicht mehr greifen.

Eine Führungskraft ist immer aufgefordert, die Balance zwischen täglichen Prozessen und strategischen Aufgaben zu erhalten. Wenn diese Balance aus den Fugen gerät und nicht mehr zu den gewünschten Ergebnissen führt, sollte Unterstützung von außen in Anspruch genommen werden. Es gibt etwas, beim Faktor Mensch, das nicht rational berechenbar ist. Daher ist es sinnvoll, die Gesetzmäßigkeiten des menschlichen Verhaltens kennenzulernen. Hierin liegt der Schlüssel, um Arbeitsprozesse erfolgreich zu machen und die Zielerreichung zu beschleunigen.

Eine Führungskraft gelangt dahin, wenn sie eine persönliche Erfahrung macht. Zum Beispiel eine Niederlage erlebt oder selbst etwas Großes geschaffen hat. In dieser Situation kann man professionell am besten anknüpfen. Der Person fällt es leichter, ihre eigenen Ressourcen kennenzulernen und Antworten auf aktuelle Fragestellungen selbst zu finden. So können Emotion und Information zu einer integrierten Erfahrung werden, was man letztendlich Lebensweisheit nennt.

Was übersehen Unternehmer häufig, wenn sie in den russischen Markt einsteigen wollen?

In Russland gibt es eine etwas andere Businesspolitik. Die wirtschaftliche Situation ist viel instabiler und unberechenbarer als in Deutschland. Die meisten Menschen haben relativ hohe Lebenskosten und niedrige Löhne. Diese Lage erzeugt einen starken Wunsch nach sozialem Aufstieg und erzeugt eine Spannung, die sich im Kaufverhalten niederschlägt. Die Menschen kaufen dann, wenn die Preise sehr niedrig und der Wert für das Produkt oder die Dienstleistung viel höher als vergleichsweise in Deutschland ist.

Das sollten Unternehmen, die sich im russischen Markt betätigen wollen, berücksichtigen. Und das ist einer der größten Herausforderungen. Ich beobachte, dass sehr erfolgreiche Unternehmen sehr viel im Vorfeld investieren, um bei den Konsumenten Aufmerksamkeit und Kauflust zu wecken.

Du bist auch in der Ukraine aktiv. Gibt es Unterschiede zum Business in Russland?

Ich habe in der Ukraine noch zu wenig zu tun gehabt, aber dort herrscht sicherlich eine etwas andere „Laune“ als in Russland. Besonders die jüngere Generation möchte sich einen neuen Lebensstil aneignen und richtet sich dabei sehr stark nach Westen aus.

Wo ich viel mehr Erfahrungen gemacht habe und was mich persönlich wirklich positiv überrascht hat, ist die soziale und wirtschaftliche Entwicklung in Kasachstan. Meine alte Heimat hat sich in den letzten Jahren sehr stark entwickelt, die soziale und wirtschaftliche Lage hat sich gebessert und stabilisiert. Die Menschen und die Unternehmen haben Interesse sich weiterzuentwickeln. Dort konnte ich ein aktives Interesse für meine Personalentwicklungsangebote und Angebote zur persönlichen Potenzialentfaltung wahrnehmen. Deswegen möchte ich ID37 im nächsten Schritt auch in Kasachstan vorstellen.

In der Rubrik "Drei Fragen an ..." stellen wir drei Fragen an Experten aus der Branche. Die Antworten sind immer abwechslungsreich, informativ und jenseits des Tellerrands.

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